Urkundendelikte und Forensisches Urkundenlabor

NZZexecutive nimmt die amerikanische Erfolgsserie CSI und deren Inszenierung von Beweis- und Spurensicherungen bis ins Detail zum Anlass, einen Blick hinter die Türen des Urkundenlabors am Forensischen Institutes Zürich (FOR) zu werfen.

In einer instruktiven Berichterstattung wird die tägliche Arbeit von Rolf Hofer und Peter W. Pfefferli als Forensiker ausgeleuchtet. Das von der Kantons- und Stadtpolizei Zürich gemeinsam betriebene FOR ist primär im Fälschungsbereich tätig. Es teilt seine Tätigkeit in sog. „6 Spielarten“ ein, nämlich:

  1. Missbräuchlich verwendete Dokumente (Imposter)
  2. Totalfälschungen
  3. Phantasiedokumente bzw. Ausweise ohne jeglichen Identifikations- / Legitimationscharakter
  4. Inhaltsfälschungen (ausgetauschtes Bild bzw. radierte amtliche Einträge)
  5. Blankofälschungen
  6. Erschlichene Ausweise (Versuche, mit Fälschungen oder nicht korrekt ausgefüllten Antragsformularen ein echtes Dokument zu erschleichen).

Am häufigsten treten offenbar Unterschrifts- und Inhaltsfälschungen bei unterschiedlichsten Urkunden auf. Für die Analyse werden insbesondere angewandt:

  • Materialtechnik
    • Stereo- oder vergleichsmikroskopische Untersuchungen
    • Extravisuellen Spektralbereich
      • Ultraviolett
      • infrarot
  • Vergleiche von mechanisch erzeugten Schriften
  • ESDA-Methode (elektrostatisches Verfahren zur Erkennung in der Regel handschriftlicher, unsichtbarer Spuren auf dem Schreibpapier, die durch entsprechende Methoden sichtbar gemacht werden
  • Handschriftanalytik
  • Tinten- und Papieranalysen
  • Laboreinsatz
  • Kenntnis der gängigsten Druckmethoden / -verfahren mit ihren Ablagerungscharakteristiken
    • Non-Impact-Druckverfahren
    • Nummerierung
    • Heissfolienprägung
    • Thermo- und Reliefdruckverfahren
  • Papierherstellung
  • Prüfungsmethoden

Nebst der eigentlichen kriminaltechnischen Untersuchen decken die Spezialisten des FOR bedarfs- und präventionsbezogen noch weitere Bereiche ab; sie betreuen ein wahrlich „breites Portfolio“, nämlich:

  • Schulung von Polizei, Behörden, Amtsstellen und Banken
  • Mitarbeit in nationalen und internationalen Fachgremien
  • Gerichtsgutachten
    • Beantwortung der Gerichtsfragen
    • Befund der Fälschungsmerkmale
  • Investitionstätigkeit ins Labor
  • Forschung
    • Beherrschung der neuesten Technologien, um mit professionellen Fälschern mithalten zu können
    • Uebungs-Fälschungen
      • um immer à jour zu sein
      • um Auftraggeber und Wertpapierproduzenten auf Schwachstellen ihrer Produkte aufmerksam machen zu können

Am Urkundenlabor scheint es ebenso spannend zu sein wie bei CSI, mit dem Unterschied, dass sich die tatsächliche Arbeit aufwändiger und langwieriger präsentiert als im „Film-Zeitraffer“ dargestellt. – Hollywood rückt für einmal einen sonst ohne Publizität agierenden Fachbereich in den Mittelpunkt des Publikumsinteresses.

Quelle

Arbeitswelt Fachbereichsleiter Urkundenlabor am Forensischen Institut Zürich – Auf dem falschen Fuss erwischt, in NZZexecutive vom 21./22.07.2012, e8

Weiterführende Informationen / Linktipps

Auf dem falschen Fuss erwischt | news.nzzexecutive.ch

Gerichtsgutachten / Privatgutachten | sachverstaendigen-gutachten.ch

 

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